Montag, 22. April 2019

Amazon Prime Reading – Erfahrungsbericht eines Hobbyautors

Das es sich bei Amazon Prime nicht um den Heimatplaneten eines intergalaktischen Superschurken handelt, sondern um ein Leistungspaket von Amazon, sollte jedem klar sein. Als Teil dieses Paketes wird dem Kunden eine wechselnde Auswahl von E-Books zur Verfügung gestellt, die er ohne Zusatzkosten ausleihen kann.

Schön für den Kunden! Aber was bedeutet das in der Praxis für einen Autor?

Ich konnte in den letzten Jahren zwei Bücher in diesem Program unterbringen und möchte gerne meine Erfahrungen daraus mit euch teilen. Also kommen wir zu den Fragen:


Wie wird ein Buch in Amazon Prime Reading aufgenommen?

Der Anfang ist eine simple Mail. So ähnlich wie: Hey, hast du Lust dein Buch für 3 Monate über Prime Reading anzubieten? Dann klicke hier!

Das Angebot wird für einige Wochen aufrecht erhalten, in denen man es annehmen oder auch ignorieren kann. Es wird klar darauf hingewiesen, dass daraus kein Anspruch entsteht, das Amazon den Titel tatsächlich in Prime Reading aufnimt. Ob und wann es geschiet, bleibt vorerst offen. Es wirkt alles sehr stark standardisiert und fast schon automatisiert.
Ich habe keine Ahnung wonach die Auswahl erfolgt. Meine beiden Bücher hatten jeweils einige tausend Leser. Nicht schlecht, aber auch nichts wirklich weltbewegendes.


Was bekommt der Autor dafür?

Im meinem Fall 200€ fix für 3 Monate. Die beiden Bücher hatten davor ca. 30 bis 50€ pro Monat gebracht, von daher eine angemessene Kompensation. Die 200 € liegen irgendwo am unteren Ende der Skala. Ein wirklich erfolgreiches Buch wird vermutlich ein Vielfaches davon bekommen können. Verhandlungen fanden mit mir nicht statt.
Selbstverständlich kann das Buch auch weiterhin durch andere Kunden gekauft werden, diese Einnahmen gehen nicht verloren.


Und welche Effekte hat das auf ein Buch?

Jetzt wird es interessant!

Beide Bücher hatten vor der Aufnahme in Prime Reading einen Rang von 10.000+. Mit der Aufnahme in das Programm stieg der Rang und pendelte irgendwo zwischen 1.000 und 2.000, was ungefähr 5 bis 10 Ausleihungen pro Tag entspricht. Nach Ablauf der 3 Monate stürzten die Bücher wieder ab.

Aber schauen wir uns das im Detail an:

Am Ende der Zeiten – Der letzte Stern

Das Buch erschien ca. ein Jahr nach der Veröffentlichung in Prime Reading und war dort von Mitte September bis Mitte Dezember 2017 verfügbar.
Der letzte Stern - Chartverlauf während Prime Reading
Die Einnahmen über die verschiedenen Vertriebswege zeigen einen generellen Trend nach unten. Dieser Trend hatte schon lange vorher begonnen. Mit der Aufnahme in Prime Reading gingen die Einnahmen nochmal kräftig zurück. Prime Reading kannibalisiert offensichtlich andere Vertriebswege (deswegen gibts ja auch 200€ extra dafür). Nach dem Ende des Programs erfolgte eine leichte Erhohlung, aber der Lebenszyklus des Buches neigte sich defintiv dem Ende zu.
Der letzte Stern - Einnahmen während Prime Reading

Tagebuch eines Zombies

Veröffentlicht im September 2017, erfolgte die Aufnahme in Prime Reading von Anfang Juni bis Anfang September 2018.


Tagebuch eines Zombies - Chartverlauf während Prime Reading
Der fortgesetzte Abwärtstrend ist bei diesem Beispiel nicht so gut zu erkennen. Vermutlich da das Buch niemals ein vergleichbares Hoch wie "Der letzte Stern" erreichte. Das Niveau der Einnahmen war ohnehin niedrig und schwankte stark. Es könnte sein, dass durch den Aufstieg in den Charts ein positiver Effekte auf die anderweitigen Vertriebswege erfolgte.
Immerhin erlangte das Buch 14 seiner 35 Bewertungen innerhalb dieser drei Monate.
Tagebuch eines Zombies - Einnahmen während Prime Reading

Mein Fazit:

Vermutlich wurden meine Bücher als günstige Lückenfüller in das Program aufgenommen, um irgendwie von jedem Genre was dabei zu haben. Mir soll es recht sein. Die 200 € sind aus meiner Sicht ein angemessener Ausgleich. Und vor allem, und das ist mir als Hobbyautor besonders wichtig, die Bücher wurden gelesen!

Kommentare:

  1. Interessant. Hast du eine Einladung per Mail bekommen? Kindle Unlimited bringt mir aktuell deutlich mehr als 200€ im Monat.

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  2. Ja, da gab es eine Einladung per Mail. Nnach dem Motto, mach's oder lass es sein.
    Es wirkte alles stark automatisiert. Von anderen Autoren habe ich gehört, dass sie ein Vielfaches geboten bekamen.

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