Über einen Artikel in der Welt wurde ich heute auf den
Service Qualifiction aufmerksam (https://www.qualifiction.info),
einen Dienst der sich mit „Software zur Analyse von Texten & Bewertung von
Bucherfolgen“ beschäftigt. Als Wissenschaftler und Zahlenjunkie konnte ich da nicht
widerstehen!
Im Folgendem werde ich euch daher die Ergebnisse zu zwei
meiner Bücher präsentieren und kommentieren. Als Beispiele habe ich folgende
meiner Werke ausgewählt:
Von diesem Buch wurden ca. 12.000 Exemplare verkauft.
Definitiv kein Bestseller aber im Bereich Selfpublishing durchaus ein
kleiner Erfolg.
Mit 100 bis 150 verkauften Exemplare ein wunderbar
erfolgloses Buch (ich mag es trotzdem).
Meine Erwartungen
Ich möchte wissen, was in meinen Texten drinsteckt, wo ich
stilistische Schwächen oder vielleicht auch Stärken habe und was dabei
eigentlich alles bewertet wird und als gut gilt. Wobei für letzteres auch ein
kostenfreier Demo-Account ausreicht.
Vor allem erwarte ich aber eine Antwort darauf, warum ein
Buch ganz gut läuft, während das nächste total floppt.
Die Versprechungen
Die KI-Software LiSA analysiert deine Texte. Das Wissen aus
der Verlagsbranche auch für Autoren.
Bezüglich der Ergebnisse verstrickt QualiFiction in einen
Widerspruch. Zum einem wird die „Bewertung von Bucherfolgen“ auf der Website
offensiv angepriesen, zum anderen steht in den FAQs die Analyseergebnisse sind wertfrei
und helfen dabei persönliche Ziele zu erreichen. Ja, die Kollegen vom Marketing haben sich da mal wieder was ausgedacht!
Nutzerfreundlichkeit
Der Dienst ist sehr einfach zu nutzen. Es reicht die
Erstellung eines Accounts und dessen Freischaltung. Eine Buchanalyse kostet fix
49€ und kann nach dem Kauf über die Website ohne relevante Wartezeiten starten.
Das Preismodel ist sehr einfach gehalten, der Umfang des
Buches spielt keine Rolle. Über die Höhe des Preises lässt sich wie immer
streiten. Da die Leistung schon sehr speziell ist, halte ich die Kosten für
akzeptabel.
Für die Analyse des Buches muss es in elektronischer Form
vorliegen, dabei werden die übliche Standardformate unterstützt. Ein Autor
sollte hier keinerlei Probleme haben. Upload und
Analyse dauern zusammen ca. 10 bis 20 Sekunden. Alle Ergebnisse sind
sofort verfügbar und sind jeweils mit Erläuterungen versehen.
Insgesamt gut gemacht!
Ergebnisse
Die Resultate der Analysen bestehen jeweils aus einer Gegenüberstellung der beiden Bücher „Am Ende der Zeiten“ und „1337“, sowie einem mehr oder weniger qualifizierten Kommentar meinerseits.
Themenanalyse
Genre-Empfehlung
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
Keine Überraschung, bei beiden Büchern handelt es sich um
Science-Fiction. Bei „1337“ wird korrekt der leichte Anteil aus dem
Fantasy-Genre erkannt.
Top-50 Wörter
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
Die Hauptpersonen stehen klar im Mittelpunkt. Es gibt einige
Wörter die mich zum Grübeln bringen: Mann, Finger, weit, letzt, tief. Die sollen
tatsächlich zu meinen Top 50 gehören? Bei der Auswahl wurden laut Beschreibung bereits einfache
Verben und anderes herausgefiltert, und trotzdem stehen dort sowas dort mit drin.
Eventuell ein Punkt den es zu überdenken gilt.
Top 10 Themen
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
Es ist schon überraschend worüber ich da eigentlich schreibe!
Der Bogen neben dem Balken beschreibt übrigens den Fokus. Ein ungefähr zur
Hälfte gefüllter Bogen entspricht dem durchschnittlichen Fokus in dem Genre.
Ich scheine überfokussiert zu sein.
Themen-Konzentration
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
Beide Bücher weisen eine extrem hohe Themenkonzentration
auf. Die Bücher haben einen starken Focus auf wenige Themen. Ist das gut oder
schlecht? Schwierig zu bewerten!
SF-Bestseller weisen jedenfalls deutlich höhere Bandbreite an unterschiedlichen Themen auf.
Thematische Exklusivität
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
Erneut zwei extrem hohe Werte. Laut Beschreibung wird hier
der Themenmix bewertet. 0% bedeutet, dass die Verteilung der Themen dem
Durchschnitt aller Genres entspricht (der Mainstream). Science Fiktion weicht davon
grundsätzlich stark ab, und ich weiche davon nochmal eine ganze Ecke weiter ab. Ich
schreibe also in einer eher untypischen Themenkonstellation.
SF-Bestseller sind interessanterweise wesentlich dichter am typischen Themenmix. Dies ist verständlich, im Mainstream liegt die Masse, dort liegt der Umsatz.
Zwischenfazit:
Eine durchaus interessante Analyse!
Beide meiner Bücher kennzeichnen sich durch ein untypisches und
zudem schmales Spektrum an Themen. Vermutlich vernachlässige ich bestimmte
Themen komplett. Welche das sind, sollte ich auf jeden Fall mal genauer
untersuchen.
Sentimentanalyse
Sentiment Verlauf
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
Aus dem Verläufen stechen einige Abschnitte hervor, die sich
durchaus bestimmten Teilen des Buches zuordnen lassen.
Bei „Am Ende der Zeiten“ ist z.B. sehr gut die Stelle
erkennbar, an der zu Beginn des Buches die Hauptperson stirbt. Das gibt einen
kräftigen Zacken nach unten.
Der Sentimentverlauf bei „1337“ ist auch halbwegs
nachvollziehbar. Es fängt düster an, wird dann etwas seichter, bevor die Story
richtig losgeht.
Hier finde ich die Darstellung der Ergebnisse misslungen. Es
wäre sinnvoll Kapitel automatisch zu erkennen, um dem Autor eine bessere
Verbindung zum Text zu ermöglichen. Am liebsten würde ich auf einen Punkt der
Grafik klicken können, um direkt den dazugehörigen Text zu sehen.
Mittleres Sentiment
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
SF-Bücher scheinen generell nicht sehr optimistisch geschrieben
zu sein. Meine noch weniger.
Sentimentänderungs-Geschwindigkeit
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
Was habe ich denn bei „1337“ gemacht? Stimmungswechsel im
Sekundentakt?
Hier lohnt es sich den Sentiment-Verlauf beider Werke
nochmal in einer höheren Auflösung anzuschauen.
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
Bei „1337“ zeigen sich extreme Stimmungswechsel in einer sehr
hohen Frequenz. Ein Ergebnis, dass ich so nicht erwartet habe. Da hier
allerdings die Verbindung zum Text nur schwer nachvollziehbar ist, fällt es mir
schwer, die tatsächlichen Ursachen nachzuvollziehen.
Stil und Statistik
Dieser Abschnitt umfasst sehr viele Ergebnisse, ich
beschränke mich daher auf einige ausgewählte Grafiken.
Anzahl der Wörter
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
Die Anzahl der Wörter meiner Bücher ist mir natürlich
bekannt und nichts Überraschendes. Interessant ist hier, dass Science-Fiction
Bücher im Mittel um die 86.000 Wörter haben, aber SF-Bestseller im Mittel bei
über 150.000 Wörtern liegen. Das Bestseller-Mittel für Allgemeine Belletristik
liegt übrigens bei ca. 100.000 Wörtern.
Wer in der SF unter 600 Seiten schreibt kann gleich weider
einpacken!
Vokabular-Diversität
„Die Diversität gibt an, wie viele Wörter sich in einer
durchschnittlichen Auswahl von 100 Wörtern befinden, wenn Duplikate jeweils nur
einmal gezählt werden.“
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
SF-Bücher, besonders die Bestseller zeichnen sich durch eine
sehr hohe Diversität aus. Wortdoppelungen kommen also seltener vor. Meine
beiden Werke sind diesbezüglich unterdurchschnittlich bewertet worden. Ein
klarer Hinweis auf die zu häufige Verwendung gleicher Begriffe.
Vokabular-Exklusivität
„Die Vokabular-Exklusivität ist ein Maß für die Seltenheit /
Ausgefallenheit des verwendeten Vokabulars.„
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
SF-Bestseller scheinen sich durch besonders ausgefallene
Wörter auszuzeichnen. Während meine Bücher hier eher am Durchschnitt liegen.
Wortarten-Verwendung
Hier werden insgesamt 8 unterschiedliche Wortarten
analysiert. Ich beschränke mich auf zwei, die bei mir am stärksten vom
Durchschnitt abweichen (Substantive, Konjunktionen).
Auf besonderen Wunsch auch gerne noch die Verben:
Verben
Auf besonderen Wunsch auch gerne noch die Verben:
Verben
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
Substantive
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
Konjunktionen
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
Die Unterschiede meiner Schreibweise zum Durchschnitt sind
bei diesen beiden Wortarten enorm. Es scheinen keine Eigenschaften des
jeweiligen Buches zu sein, sondern tatsächlich auf den Autor bezogene
Stilmerkmale. Etwas, das mir bisher nicht in dieser Form bekannt war.
Figuren und Beziehungen
Direkte Rede
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
Eine Analyse des Anteils an direkter Rede. "Am Ende der Zeiten" trift das Bestseller-Mittel, bei „1337“ war
ich etwas maulfaul, was aber im Vergleich zur Verteilung der Referenzen nicht sonderlich ungewöhnlich zu sein scheint.
Top-20 Hauptfiguren und ihre Beziehungen
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
Jim und Healy haben eine Beziehung zu Jims Nacken!
Eine schöne Darstellung, die einem die Bedeutung und
Vernetzung der Charaktere aufzeigt. Letztendlich aber nichts Überraschendes.
Die Grafik zeigt nur genau das, was ich ja selbst geschrieben habe.
Figuren Konzentration
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
Die Ergebnisse sind in beiden Fällen gut nachvollziehbar. In
„Am Ende der Zeiten“ konzentriert sich die Story um drei Charaktere herum,
während in „1337“ eine Hauptperson im Focus steht. Beide Varianten scheinen
häufig aufzutreten und sind als üblich zu bewerten. SF-Bestseller scheinen eher zu mehreren Hauptpersonen zu tendieren, was aufgrund des hohen Umfangs der Bücher nachvollziehbar ist.
Bestseller Score
![]() |
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern |
![]() |
1337 - Game Over |
BÄÄMMM! Keine Chance auf einen
Bestseller.
Die vorangegangenen Ergebnisse ließen es bereits vermuten.
Die Abweichungen zu dem bestehenden SF-Bestseller-Mittel wurde bereits vorher deutlich. Keines meiner Bücher hätte in der aktuellen Form auch nur den Hauch
einer Chance von einem Verlag angenommen zu werden.
Fazit
Es handelt sich bei dem Service um einen Vergleich von
statistischen Textmerkmalen mit einer sicherlich sehr umfangreichen
Referenzdatenbank. Wieviel KI in der Software tatsächlich steckt ist unklar.
Ich persönlich würde sagen, dass dort nicht primär ein selbstlernendes
neuronales Netz im Hintergrund arbeitet, es wirkt eher wie ein statischer
Auswertealgortihmus.
Aber egal, was bringt mir das als Autor?
Die Ergebnisse zeigen, dass mein Schreibstil vom
Genre-Durchschnitt sowie den typischen Bestseller Merkmalen abweicht. Folgende
Punkte sind dabei besonders auffällig:
- Hohe Themenkonzentration
- Schnelle und extreme Stimmungswechsel bei „1337“
- Die besonders häufige oder auch seltene Verwendung bestimmter Wortarten
Hier lohnt es sich darüber nachzudenken, wo ich mich
verbessern könnte. Ganz klar ein wertvolles Ergebnis. Die Resultate geben mir
interessante Ansätze und können mir tatsächlich helfen „persönliche Ziele zu
erreichen“.
Die Analyse ist allerdings alles andere als „wertfrei“.
Sicher, hinter den Zahlen steht eine emotionslose Maschine. Aber kaum ein
Mensch wäre in der Lage die Ergebnisse „wertfrei“ zu interpretieren.
Obwohl sich beide Bücher hinsichtlich des tatsächlichen
Erfolgs stark unterscheiden, ist das Scoring praktisch gleich (-schlecht). Der
Erfolg eines Buches kann hier definitiv nicht ermittelt werden. Aus meiner
Sicht sind die Erfolgsfaktoren eines Buches wesentlich vielfältiger als das,
was hier geprüft wird.
Würde ich diesen Service erneut nutzen?
Vermutlich nicht, ob ein einzelnes Buch erfolgreich sein wird, läßt sich damit nicht ermitteln. Und bereits zwei Analysen haben mir hinreichende Hinweise über eventuelle Schwächen meines Schreibstils offenbart. Ein ganz großes Problem ist für mich die Preisgestaltung. Eine Zahlung bedeutet eine Analyse. Will man eine überarbeitete Version testen, muss man erneut zahlen. Hier wird ein ganz entscheidender Bedarf von Autoren nicht berücksichtigt. Sinnvoll wäre es X mal eine erneute Prüfung des Textes zuzulassen (Stärkung der Kundenbindung). Dazu müsste eine automatische Prüfung eingeführt werden, ob der neue Text zu einem Mindestmaß der Originalversion entspricht, um Missbrauch zu vermeiden.
Vermutlich nicht, ob ein einzelnes Buch erfolgreich sein wird, läßt sich damit nicht ermitteln. Und bereits zwei Analysen haben mir hinreichende Hinweise über eventuelle Schwächen meines Schreibstils offenbart. Ein ganz großes Problem ist für mich die Preisgestaltung. Eine Zahlung bedeutet eine Analyse. Will man eine überarbeitete Version testen, muss man erneut zahlen. Hier wird ein ganz entscheidender Bedarf von Autoren nicht berücksichtigt. Sinnvoll wäre es X mal eine erneute Prüfung des Textes zuzulassen (Stärkung der Kundenbindung). Dazu müsste eine automatische Prüfung eingeführt werden, ob der neue Text zu einem Mindestmaß der Originalversion entspricht, um Missbrauch zu vermeiden.
Mir drängt sich eine These auf: Wenn Verlage diese Software tatsächlich
nutzen, um Bücher vorauszuwählen, dann würde damit ein bestehender Durchschnitt
zementiert werden, da Abweichungen erst gar nicht mehr zur Veröffentlichung
kommen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen