Sonntag, 3. Januar 2021

Werbung bei Amazon

Amazon bietet seit geraumer Zeit die Erstellung von Werbekampangnen für Bücher an. Ein Service, der von jedem Autor genutzt werden kann. Kurz zusammengefasst definiert der Autor für sein Buch geeignete Schlüsselwörter und ein Gebot. Je höher das Gebot, desto wahrscheinlicher wird das eigene Buch dem Kunden als Empfehlung eingeblendet. Gezahlt wird nur, wenn der Kunde auch tatsächlich auf die Werbung klickt. Detailierte Informationen gibt es zum Beispiel hier.

Die beschriebene Vorgehensweise führt zum Beispiel bei der Suche nach "Harry Potter" in der Kategorie "Bücher" dazu, dass kein Exemplar der bekannten und äußerst erfolgreichen Serie angezeigt wird, sondern Zaubertrankbücher, Bettwäsche und Ausmalhefte. Würde ich nun auf eines dieser Produkte klicken, verdient Amazon alleine durch den Klick locker 50 ct bis 1 €, egal ob ich tatsächlich etwas kaufe oder nicht.

Es drängt sich somit die Frage auf, ob sich das System für Selfpublisher lohnt oder nicht. Im Folgendem werde ich versuchen, der Antwort auf diese Frage anhand eines konkreten Beispiels näher zu kommen.

Vereinte Welten

Mein Beispiel ist die Triologie "Vereinte Welten" von Anke Becker (meiner Schwester). Anke ist eine Autorin im Bereich Science Fiction / Fantasie und betreibt das Schreiben ähnlich wie ich als Hobby im Selfpublishment. 

"Vereinte Welten" sind fast 1.800 Seiten kontroverser Science Fiction mit einer gewissen Portion Gesellschaftskritik. Die Preisgestaltung ist mit 2.99 € typisch für Selfpublisher, wobei der erste Teil mit 99 ct die Einstiegshürde in die Triologie möglichst niedrig setzen soll.

 

Die Reihe wurde wie viele Bücher von Selfpublishern mit viel Herzblut geschrieben, aber nur mit begrenzten Mitteln (Facebook, Blogs, Lovelybooks) beworben. Dies führte zu etlichen positiven Bewertungen aber nur mäßigen Verkaufszahlen. Das übliche Problem.

Amazon Advertising

Die Autorin startete für den ersten Teil ihrer Triologie im November 2019 eine Werbkampangne über Amazon Advertising. Der zweite und dritte Teil wurden nicht über Amazon beworben. Über die Details der Einstellungen und Schlüsselwörter der Kampangne liegen mir keine Informationen vor, lediglich die Effekte sind mit bekannt und diese möchte ich gerne mit euch teilen.

Die Werbekampangne startete, als der erste Teil bereits seit ca. 1 Jahr verfügbar war und der dritte Teil kurz vor der Veröffentlichung stand. Nachfolgend ist der Verkaufsrang seit der Veröffentlichung bis zum 31.12.2020 dargestellt. Der Start der Werbung über Amazon Advertising ist mit einer roten Linie markiert.


Vor dem Start der Werbung zeigt der Verlauf des Verkaufsrangs vereinzelte Verkäufe, die teilweise mehrere Wochen auseinanderliegen. Dieser Verlauf wird unterbrochen von kurzfristigen Effekten anderer Aktionen, zum Beispiel kostenloser Downloads.

Mit dem Start der Werbung steigt der Verkaufsrang in den Bereich um ca. Rang 10.000 und verbleibt dort langfristig. Das bedeutet alle ein bis zwei Tage ein Verkauf. Die laufende Werbekampangne zeigt einen deutlichen Effekt. Während der Laufzeit werden ständig neue Leser auf das Buch aufmerksam gemacht.

Interessant wird es, wenn zusätzlich die Entwicklung des Verkaufrangs der zwei weiteren Teile der Triologie betrachtet wird. Wie bereits erwähnt, werden diese nicht durch Amazon Advertising beworben.

Mit dem Start der Werbekampangne für den ersten Teil ziehen ebenfalls die Verlaufszahlen der Nachfolger an. Schätzungsweise jeder zweite Kunde, der das erste Buch gekauft hat, kauft auch das Zweite und eventuell sogar das Dritte. Die Werbung in Verbindung mit der Qualität des Buches erzeugt sichtbare Übertragungseffekte auf weitere Bücher.


Kurz einige Worte zu den Kosten der Werbung. Bezogen auf den beworbenen ersten Teil der Triologie beschrieb die Autorin das Verhältnis zwischen Einnahmen aus Buchverkäufen und Werbekosten mit dem Wort "wahnsinnig". Was so viel bedeutet, dass die Kosten der Werbung die Einnahmen bei weitem übersteigen. Erst wenn man die Einnahmen aus dem zweiten und dritten Teil hinzuzieht, gleichen sich Einnahmen und Kosten ungefähr aus. Auf die gesamte Triologie bezogen ist es ein Nullsummenspiel.

Fazit

Amazon Advertising funktioniert! Allerdings zu einem hohen Preis. Die Kosten der Werbung fressen die durch Selfpublisher erzielbaren Einnahmen aus Buchverkäufen weitgehend auf. Dieses Instrument ist daher mit Bedacht einzusetzen.

Werbung für ein einzelnes Buch, durch einen Autor der sonst noch nix anderes geschrieben hat, wird sehr wahrscheinlich einen positiven Effekt auf die Verkaufszahlen haben. Dies mag zwar die Seele des Autors streicheln, wird sich aber in den meisten Fällen als ein wirtschaftliches Desaster heraustellen.

Solche Werbekampangnen entfalten ihre Wirkung erst, wenn Übertragungseffekte erzielt werden können. Zum Beispiel auf andere Bücher einer Reihe oder weitere Werke des Autors. Das vorliegende Beispiel zielt bewusst oder unbewusst auf eine solche Strategie ab. Auch wenn sich die Werbung selbst im Rahmen der gesamten Triologie nicht rechnet, so wird doch langfristig eine Leserschaft aufgebaut von der weitere Werke der Autorin profitieren können.

Die vorliegenden Aussagen beziehen sich selbstverständlich lediglich ein isoliertes Beispiel. Alle daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen sind daher mit einem hohen Maß an Unsicherheit zu verstehen.

 

 

 


Dienstag, 11. August 2020

Abseits von Amazon: BoD, epubli & Co.

Glaubt man den Quellen, liegt der Anteil von Amazon am E-Book-Markt bei etwas über 60%. Mit einer Plattform erschlägt der geneigte Hobbyautor fast zwei Drittel des gesamten Marktes.

Und das Ganze ist so einfach!

Nach der Anmeldung müssen lediglich einige lästige Formulare ausgefüllt werden und schon wird das Buch mit wenigen Mausklicks der Welt zugänglich gemacht. Es wird in der Anfangsphase automatisch beworben und sogar gekauft. Amazon ist und bleibt die erste Anlaufstelle für unsere Werke.

Aber!

Was ist mit dem anderen Drittel des Buchmarktes? Wenn ich auf Amazon zwanzig Bücher verkaufe, dann müsste ich da doch locker nochmal zehn Stück absetzen können! Oder etwa nicht?

Ich habe es ausprobiert.

BoD

BoD ist ein Distributor. Der Autor erteilt Rechte und BoD verteilt das Buch an die vielen Online-Shops in den Weiten des Internets (inklusive Amazon). Für ein reines E-Book kostet dieser Service einmalig Nix €. BoD finanziert sich über andere Wege. So können zum Beispiel zusätzliches Services wie Gutachten, Lektorat, Coverdesign und vieles mehr dazu gebucht werden. Ich habe keine Ahnung, ob die das gut machen, hab es nicht ausprobiert.
Die Anmeldung und der Upload eines Buches sind sogar noch einfacher als bei Amazon. Zumindest, bis man auf die letzte Seite kommt: Die Verträge.

Und da steht dann folgender Satz:
„Die Rechtseinräumung erstreckt sich auf die Verwertung der Nutzungsrechte sowohl durch BoD selbst als auch durch entgeltliche oder unentgeltliche (auch teilweise) Vergabe von Rechten an Dritte, und umfasst insbesondere die folgenden exklusiven Rechte:“
Gefolgt von einer sehr langen Liste an Exklusivrechten für BoD.

Ich habe mir alles durchgelesen und danach die Seite geschlossen. Der Buchentwurf steht noch heute nur zwei Mausklicks vom Vertragsabschluss entfernt und wird es vermutlich auch für immer bleiben.

Versteht mich nicht falsch! BoD ist kein schlechtes Konzept. Hätte ich den letzten Schritt gemacht, wäre das Buch heute in allen Online-Shops erhältlich. Aber ich wollte zumindest Amazon selbst machen. Diese absolute Exklusivität war für mich persönlich ein No Go.

Aber kommen wir zum nächsten Anbieter:

epubli

Vieles, was ich bereits über BoD geschrieben habe, trift auch auf epubli zu. Eine sehr einfache Anmeldung. Kostenfrei mit zusätzlichen Angeboten und ein sehr einfacher Upload.
Der Autor kann dabei Amazon als Shop explizit ausschließen und auch die Rechte werden nicht exklusiv erteilt. Ich habe es mit zwei Büchern ausprobiert und es hat mich insgesamt weniger als eine Stunde gekostet. Und sieh da, einige Werktage später konnte sich jeder meine Bücher über Apple, Hugendubel, Welt etc. kaufen.

Und jetzt wird es interessant. Wie groß ist der Markt außerhalb von Amazon tatsächlich? Ich habe nach mehreren Monaten folgende Anzahl an Büchern über die zusätzlichen Shops verkauft:

Null

Ja, der Markt außerhalb von Amazon ist praktisch nicht existent. Zumindest für jemanden, der mit den begrenzten finanziellen und zeitlichen Ressourcen eines Hobbyautors arbeitet. Die Einträge in die sieben weiteren Shops sind nichts weiter als Leichen in einer Datenbank, und zwar von Anfang an. Keine Bewerbung als Neuerscheinung, keine Empfehlung über Stichwörter. Die Bücher lassen sich nur über die Suche nach dem Titel finden.

Mein Fazit: Die verfügbaren Plattformen sind super. Sie machen genau das, was sie versprechen. Unkompliziert und umfassend. Aber für einen Freizeitautor wie mich, ist der Werbeaufwand, um etwas außerhalb von Amazon zu verkaufen, sehr wahrscheinlich höher als die Einnahmen.

Montag, 10. August 2020

Hobbyautor, machst du auch was richtiges?

Wie gerne wird davon geschwärmt, das Hobby zum Beruf zu machen? Sich nur noch der Literatur hingeben, in Analogien schwelgen, das Monster der deutschen Rechtschreibung niederringen. Ach, was wäre das schön.

Alles Quatsch!

Als Autor seinen Lebensunterhalt zu verdienen, am besten noch die Familie zu versorgen, ist im Durchschnitt ein fürchterlicher Job. Da ist nix mit planbaren Einkommen, da gibt es keine Freiheit. Es gilt für Zielgruppen und Fans zu schreiben. Erwartungen müssen erfüllt, Termine eingehalten und Verkaufszahlen erreicht werden.
Und mal ehrlich, das Schreiben ist manchmal eine verdammt zähe und einsame Sache.

Und deswegen bin ich froh, mich voll und ganz der Amateurhaftigkeit des Hobby-Schreibertums hingeben zu können. Es ist wie eine Runde Joggen. Ich entscheide wo es langgeht und wenn ich keine Lust habe, dann mach ich es eben nicht. Um Geld zu verdienen gibt es eindeutig bessere Wege.

Und dies ist meiner:

Ich bin ein sogenannter Public Funding Manager bei dem Unternehmen H2 Mobility Deutschland. Ein Unternehmen mit knapp 35 Mitarbeitern, dass es sich zum Ziel gesetzt hat, Deutschland mit einem Netz von Wasserstofftankstellen zu überziehen.

Schon mal ein Wasserstoffauto gesehen?
Nein?
Dann geht es dir wie den meisten Leuten. Es gibt noch nicht sonderlich viele davon.

Mein Job ist der eines typischen Schreibtischtäters. Ich schubse Zahlen hin und her, schreibe Berichte und lass mir hin und wieder was einfallen. Das mache ich fünf Tage die Woche und an den meisten dieser Tage habe ich sogar Spaß daran.
Als eines der letzten Kinder der Trabi-Generation habe ich nie besondere Ansprüche an Autos entwickelt, aber die Dinger mit Wasserstoff drin, die sind schon echt cool. Im Prinzip steckt in meiner Arbeit mehr Science-Fiction als in einigen meiner Geschichten. Etwas, das per Definition einem ganz bestimmten Wort entspricht: Geil!

Ich gebe zu, ich freue mich wie ein Honigkuchenpferd über jeden Kommentar und jede Bewertung meiner Geschichten. Aber tatsächlich etwas erreichen, bewirken, verändern, das tue ich in meinem eigentlichen Beruf.

Und ja, mir ist bewusst, dass dies leider nicht jeder von sich behaupten kann. Ich bewundere jeden für den Mut, sich ernsthaft als Autor zu versuchen.

Cyborg Memories

Eine Geschichte über meinen Großvater.

Ich war 12, vielleicht auch 13 Jahre alt, zu Besuch bei meinen Großeltern. Mein Opa saß zusammen mit mir und meiner Schwester am Tisch des kleinen Esszimmers ihres Hauses in einem Vorort von Stralsund. Wir spielten Karten und quatschten in unserer kindlichen Ahnungslosigkeit über irgendwas mit Geschichte und zweiten Weltkrieg. Ich habe vergessen worum es genau ging.

Mein Opa rieb sich die Hände, er wirkte angespannt. Und dann fing er an zu sprechen. Langsam und mit zitternder Stimme. Zwei Sätze, mehr nicht.
Ich werde die Worte hier nicht wiedergeben. Nicht weil ich sie vergessen hätte, sondern weil ich es nicht will. Was zählte waren seine Augen. Ein Spiegel seiner Seele, ein Fenster, dass bis weit zurück in die Jugend dieses nun alten Mannes reichte.

Ich diesen Augen sah ich das Grauen. Schlimmer als alles, was ich je in meinem Leben erfahren habe.

Der Moment ging vorüber und wäre vergessen worden. Wie so viele. Hätte mich nicht Jahre später die Lust zum Schreiben gepackt. Ich wollte diese Geschichte unbedingt aufschreiben, sie war eine meiner ersten Ideen. Aber ich habe es nicht einmal versucht. Aus einem einfachen Grund. Ich wusste, dass ich noch nicht über die Fähigkeiten verfügte, meine Eindrücke in Worte zu fassen. Ich musste erst einige Bücher schreiben, um zu üben.

Der Protagonist sagt nichts, außer einem einzigen Wort in der letzten Zeile: »Ja.«

Montag, 3. August 2020

Kurzgeschichten

Kurzgeschichten sind schön! Sie sind so herrlich kurz. Eine Idee, ein Konzept, alles lässt sich innerhalb weniger Stunden oder Tage ausprobieren.

Kurzgeschichten sind Mist! Aus dem gleichen Grund, aus dem sie schön sind. Ihr geringer Umfang behindert die Entfaltung von Charakteren und Ideen.
Ihr größtes Problem ist allerdings, dass sie sich nicht verkaufen lassen. Nicht mal für den Minimalpreis (z.B. Amazon 0,99 €) lassen sich Leser für 10 bis 50 Seiten lange Texte begeistern. Warum auch, E-Books mit größeren Umfang zum gleichen Preis gibt es genug.

Also was tun mit diesen in Buchstaben gegossenen Ideen, die zu gut waren, um sie zu vergessen aber zu kurz, um sie in epischer Breite auszuwalzen?
Ich habe vier Wege ausprobiert, um Kurzgeschichten zu veröffentlichen, und möchte im Folgendem meine Erfahrungen mit euch teilen.

Es geht um die nette kleine Endzeitstory „Staub“. Hier nachzulesen:

https://www.fanfiktion.de/s/5e89ff8f000aa33f3885389f/1/Staub


Fanfiction
www.fanfiction.de

Fanfiction baut auf einer enorm großen vorwiegend deutschsprachigen Community auf. Im Archiv gibt es ca. eine halbe Million Geschichten (viele unfertig) aus allen Gebieten der Literatur. Der Focus liegt ganz klar auf durch Fans erstellte Geschichten aus einem mehr oder weniger bekannten Storyversum.
Aber die Plattform steht für jeden offen. Der Zugang ist einfach, die Hürden zur Veröffentlichung sind gering. Hinter der einfachen Aufmachung verbirgt sich ein sehr gut funktionierendes System. Und das Wichtigste, hier gibt es Leser. Vergleichsweise viele Leser. Meine Kurzgeschichte erreichte hier immerhin 200 Zugriffe, 2 Rezensionen und einige Likes.

Wattpad
www.wattpad.com

Wattpad wirbt damit die größte Plattform seiner Art zu sein. Die Zahlen sprechen dafür. 2 Millionen Autoren, 70 Millionen aktive Nutzer, über eine halbe Milliarde Geschichten. Das Publikum ist entsprechend international. Die Website wirkt sehr professionell. Erfolgreiche Titel erreichen teilweise Hundertausende von Lesern. In dem Projekt stecken laut Wikipedia etliche Millionen Risikokapital.
Auch hier ist die Anmeldung und das Hochladen eines Textes äußerst simple. Sogar ein Cover darf beigefügt werden.
Allerdings, ich erreichte hier mit meiner Geschichte exakt Null Leser. Die Sichtbarkeit eines neuen Titels ist praktisch nicht vorhanden. Es war mir nicht einmal möglich meine eigene Story über die Suchfunktion zu finden.
Ausgehend von kostenpflichtigen Angeboten wie Premium und Premium+ stellt Wattpad offensichtlich eher gewinnbringende Inhalte in den Vordergrund.


Kurzgeschichten-Stories
www.kurzgeschichten-stories.de

Eine niedliche kleine Website, entstanden aus einem Ein-Mann-Projekt. Es kommen so 2-3 Geschichten pro Tag und die Geschichten werden auch gelesen.
Mein Versuch einer Veröffentlichung ging leider schief. Das Projekt akzeptiert keine Storys, die schon woanders veröffentlicht wurden. Okay, fair enough.
Was mich an der Seite überrascht hat, ist die persönliche Betreuung. Da hat sich jemand tatsächlich die Zeit genommen, meine Geschichte zu prüfen, zu suchen und mir innerhalb weniger Stunden eine Rückmeldung zu geben! Hinter der Seite steckt jemand, der das wirklich gerne macht.

Leselupe
www.leselupe.de

Die Seite liegt mit ihren derzeit 80.000 Storys irgendwo zwischen groß und klein. Es gibt mehrere Dutzend neue Geschichten pro Tag. Die Veröffentlichung erfolgt durch das Kopieren des Textes in ein Forum. Einfach, aber praktisch. Sie erreichen zwischen hundert bis hin zu einigen Tausend Zugriffen.
Auch hier gab es eine Prüfung durch einen ECHTEN Menschen! Und dieser hat die Geschichte tatsächlich zumindest teilweise gelesen. Leider hat der Prüfer die Leerzeilen sowie Zeitwechsel als Fehler interpretiert und die Veröffentlichung abgelehnt.

Fazit:

Wenn ihr eine Kurzgeschichte geschrieben habt, dann raus damit! Die Welt erwartet euch und ist bereit euer Werk zu lesen und manchmal auch in der Luft zu zerfetzen. Es gibt genug Plattformen zur Veröffentlichung. Die großen Seiten bieten den besten Komfort, die kleinen punkten dafür eher mit Support.
Aber das Wichtigste ist, dass sie gelesen werden.
Kurzgeschichten sind und bleiben ein Spielplatz, um sich und die eigenen Ideen auszuprobieren.

Freitag, 26. Juli 2019

QualiFiction – Das Buch in Zahlen


Über einen Artikel in der Welt wurde ich heute auf den Service Qualifiction aufmerksam (https://www.qualifiction.info), einen Dienst der sich mit „Software zur Analyse von Texten & Bewertung von Bucherfolgen“ beschäftigt. Als Wissenschaftler und Zahlenjunkie konnte ich da nicht widerstehen!
Im Folgendem werde ich euch daher die Ergebnisse zu zwei meiner Bücher präsentieren und kommentieren. Als Beispiele habe ich folgende meiner Werke ausgewählt:

Von diesem Buch wurden ca. 12.000 Exemplare verkauft. Definitiv kein Bestseller aber im Bereich Selfpublishing durchaus ein kleiner Erfolg.

Mit 100 bis 150 verkauften Exemplare ein wunderbar erfolgloses Buch (ich mag es trotzdem).

Meine Erwartungen 

Ich möchte wissen, was in meinen Texten drinsteckt, wo ich stilistische Schwächen oder vielleicht auch Stärken habe und was dabei eigentlich alles bewertet wird und als gut gilt. Wobei für letzteres auch ein kostenfreier Demo-Account ausreicht.
Vor allem erwarte ich aber eine Antwort darauf, warum ein Buch ganz gut läuft, während das nächste total floppt.

 

Die Versprechungen 

Die KI-Software LiSA analysiert deine Texte. Das Wissen aus der Verlagsbranche auch für Autoren.
Bezüglich der Ergebnisse verstrickt QualiFiction in einen Widerspruch. Zum einem wird die „Bewertung von Bucherfolgen“ auf der Website offensiv angepriesen, zum anderen steht in den FAQs die Analyseergebnisse sind wertfrei und helfen dabei persönliche Ziele zu erreichen. Ja, die Kollegen vom Marketing haben sich da mal wieder was ausgedacht!

 

Nutzerfreundlichkeit 

Der Dienst ist sehr einfach zu nutzen. Es reicht die Erstellung eines Accounts und dessen Freischaltung. Eine Buchanalyse kostet fix 49€ und kann nach dem Kauf über die Website ohne relevante Wartezeiten starten.
Das Preismodel ist sehr einfach gehalten, der Umfang des Buches spielt keine Rolle. Über die Höhe des Preises lässt sich wie immer streiten. Da die Leistung schon sehr speziell ist, halte ich die Kosten für akzeptabel.
Für die Analyse des Buches muss es in elektronischer Form vorliegen, dabei werden die übliche Standardformate unterstützt. Ein Autor sollte hier keinerlei Probleme haben. Upload und Analyse dauern zusammen ca. 10 bis 20 Sekunden. Alle Ergebnisse sind sofort verfügbar und sind jeweils mit Erläuterungen versehen.

Insgesamt gut gemacht!

Ergebnisse


Die Resultate der Analysen bestehen jeweils aus einer Gegenüberstellung der beiden Bücher „Am Ende der Zeiten“ und „1337“, sowie einem mehr oder weniger qualifizierten Kommentar meinerseits.

Themenanalyse


Genre-Empfehlung


Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern


1337 - Game Over


Keine Überraschung, bei beiden Büchern handelt es sich um Science-Fiction. Bei „1337“ wird korrekt der leichte Anteil aus dem Fantasy-Genre erkannt.

Top-50 Wörter


Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern

1337 - Game Over



Die Hauptpersonen stehen klar im Mittelpunkt. Es gibt einige Wörter die mich zum Grübeln bringen: Mann, Finger, weit, letzt, tief. Die sollen tatsächlich zu meinen Top 50 gehören? Bei der Auswahl wurden laut Beschreibung bereits einfache Verben und anderes herausgefiltert, und trotzdem stehen dort sowas dort mit drin. Eventuell ein Punkt den es zu überdenken gilt.

Top 10 Themen

Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern


1337 - Game Over

Es ist schon überraschend worüber ich da eigentlich schreibe!
Der Bogen neben dem Balken beschreibt übrigens den Fokus. Ein ungefähr zur Hälfte gefüllter Bogen entspricht dem durchschnittlichen Fokus in dem Genre. Ich scheine überfokussiert zu sein.


Themen-Konzentration


Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern
1337 - Game Over


Beide Bücher weisen eine extrem hohe Themenkonzentration auf. Die Bücher haben einen starken Focus auf wenige Themen. Ist das gut oder schlecht? Schwierig zu bewerten!
SF-Bestseller weisen jedenfalls deutlich höhere Bandbreite an unterschiedlichen Themen auf.

Thematische Exklusivität

Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern
1337 - Game Over






Erneut zwei extrem hohe Werte. Laut Beschreibung wird hier der Themenmix bewertet. 0% bedeutet, dass die Verteilung der Themen dem Durchschnitt aller Genres entspricht (der Mainstream). Science Fiktion weicht davon grundsätzlich stark ab, und ich weiche davon nochmal eine ganze Ecke weiter ab. Ich schreibe also in einer eher untypischen Themenkonstellation.
SF-Bestseller sind interessanterweise wesentlich dichter am typischen Themenmix. Dies ist verständlich, im Mainstream liegt die Masse, dort liegt der Umsatz.

Zwischenfazit:

Eine durchaus interessante Analyse!
Beide meiner Bücher kennzeichnen sich durch ein untypisches und zudem schmales Spektrum an Themen. Vermutlich vernachlässige ich bestimmte Themen komplett. Welche das sind, sollte ich auf jeden Fall mal genauer untersuchen.

Sentimentanalyse

 

Sentiment Verlauf


Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern

1337 - Game Over

 
Aus dem Verläufen stechen einige Abschnitte hervor, die sich durchaus bestimmten Teilen des Buches zuordnen lassen.
Bei „Am Ende der Zeiten“ ist z.B. sehr gut die Stelle erkennbar, an der zu Beginn des Buches die Hauptperson stirbt. Das gibt einen kräftigen Zacken nach unten.
Der Sentimentverlauf bei „1337“ ist auch halbwegs nachvollziehbar. Es fängt düster an, wird dann etwas seichter, bevor die Story richtig losgeht.
Hier finde ich die Darstellung der Ergebnisse misslungen. Es wäre sinnvoll Kapitel automatisch zu erkennen, um dem Autor eine bessere Verbindung zum Text zu ermöglichen. Am liebsten würde ich auf einen Punkt der Grafik klicken können, um direkt den dazugehörigen Text zu sehen.

Mittleres Sentiment

Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern
1337 - Game Over
 

SF-Bücher scheinen generell nicht sehr optimistisch geschrieben zu sein. Meine noch weniger.

Sentimentänderungs-Geschwindigkeit

Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern
1337 - Game Over


Was habe ich denn bei „1337“ gemacht? Stimmungswechsel im Sekundentakt?
Hier lohnt es sich den Sentiment-Verlauf beider Werke nochmal in einer höheren Auflösung anzuschauen.

Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern


1337 - Game Over


Bei „1337“ zeigen sich extreme Stimmungswechsel in einer sehr hohen Frequenz. Ein Ergebnis, dass ich so nicht erwartet habe. Da hier allerdings die Verbindung zum Text nur schwer nachvollziehbar ist, fällt es mir schwer, die tatsächlichen Ursachen nachzuvollziehen.


Stil und Statistik


Dieser Abschnitt umfasst sehr viele Ergebnisse, ich beschränke mich daher auf einige ausgewählte Grafiken.

Anzahl der Wörter


Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern

1337 - Game Over


Die Anzahl der Wörter meiner Bücher ist mir natürlich bekannt und nichts Überraschendes. Interessant ist hier, dass Science-Fiction Bücher im Mittel um die 86.000 Wörter haben, aber SF-Bestseller im Mittel bei über 150.000 Wörtern liegen. Das Bestseller-Mittel für Allgemeine Belletristik liegt übrigens bei ca. 100.000 Wörtern.
Wer in der SF unter 600 Seiten schreibt kann gleich weider einpacken!

Vokabular-Diversität


„Die Diversität gibt an, wie viele Wörter sich in einer durchschnittlichen Auswahl von 100 Wörtern befinden, wenn Duplikate jeweils nur einmal gezählt werden.“

Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern


1337 - Game Over


SF-Bücher, besonders die Bestseller zeichnen sich durch eine sehr hohe Diversität aus. Wortdoppelungen kommen also seltener vor. Meine beiden Werke sind diesbezüglich unterdurchschnittlich bewertet worden. Ein klarer Hinweis auf die zu häufige Verwendung gleicher Begriffe.


Vokabular-Exklusivität


„Die Vokabular-Exklusivität ist ein Maß für die Seltenheit / Ausgefallenheit des verwendeten Vokabulars.„

Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern


1337 - Game Over


SF-Bestseller scheinen sich durch besonders ausgefallene Wörter auszuzeichnen. Während meine Bücher hier eher am Durchschnitt liegen.

Wortarten-Verwendung


Hier werden insgesamt 8 unterschiedliche Wortarten analysiert. Ich beschränke mich auf zwei, die bei mir am stärksten vom Durchschnitt abweichen (Substantive, Konjunktionen).
Auf besonderen Wunsch auch gerne noch die Verben:

Verben
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern
1337 - Game Over

Substantive
Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern
1337 - Game Over


Konjunktionen

Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern

1337 - Game Over


Die Unterschiede meiner Schreibweise zum Durchschnitt sind bei diesen beiden Wortarten enorm. Es scheinen keine Eigenschaften des jeweiligen Buches zu sein, sondern tatsächlich auf den Autor bezogene Stilmerkmale. Etwas, das mir bisher nicht in dieser Form bekannt war.

Figuren und Beziehungen

Direkte Rede

Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern


1337 - Game Over



Eine Analyse des Anteils an direkter Rede. "Am Ende der Zeiten" trift das Bestseller-Mittel, bei „1337“ war ich etwas maulfaul, was aber im Vergleich zur Verteilung der Referenzen nicht sonderlich ungewöhnlich zu sein scheint.

Top-20 Hauptfiguren und ihre Beziehungen


Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern

1337 - Game Over


Jim und Healy haben eine Beziehung zu Jims Nacken!
Eine schöne Darstellung, die einem die Bedeutung und Vernetzung der Charaktere aufzeigt. Letztendlich aber nichts Überraschendes. Die Grafik zeigt nur genau das, was ich ja selbst geschrieben habe.

Figuren Konzentration

Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern

1337 - Game Over


Die Ergebnisse sind in beiden Fällen gut nachvollziehbar. In „Am Ende der Zeiten“ konzentriert sich die Story um drei Charaktere herum, während in „1337“ eine Hauptperson im Focus steht. Beide Varianten scheinen häufig aufzutreten und sind als üblich zu bewerten. SF-Bestseller scheinen eher zu mehreren Hauptpersonen zu tendieren, was aufgrund des hohen Umfangs der Bücher nachvollziehbar ist.


Bestseller Score

Am Ende der Zeiten - Der letzte Stern
1337 - Game Over


BÄÄMMM! Keine Chance auf einen Bestseller.

Die vorangegangenen Ergebnisse ließen es bereits vermuten. Die Abweichungen zu dem bestehenden SF-Bestseller-Mittel wurde bereits vorher deutlich. Keines meiner Bücher hätte in der aktuellen Form auch nur den Hauch einer Chance von einem Verlag angenommen zu werden.

Fazit

Es handelt sich bei dem Service um einen Vergleich von statistischen Textmerkmalen mit einer sicherlich sehr umfangreichen Referenzdatenbank. Wieviel KI in der Software tatsächlich steckt ist unklar. Ich persönlich würde sagen, dass dort nicht primär ein selbstlernendes neuronales Netz im Hintergrund arbeitet, es wirkt eher wie ein statischer Auswertealgortihmus.
Aber egal, was bringt mir das als Autor?
Die Ergebnisse zeigen, dass mein Schreibstil vom Genre-Durchschnitt sowie den typischen Bestseller Merkmalen abweicht. Folgende Punkte sind dabei besonders auffällig:
  • Hohe Themenkonzentration
  •  Schnelle und extreme Stimmungswechsel bei „1337“
  •  Die besonders häufige oder auch seltene Verwendung bestimmter Wortarten

Hier lohnt es sich darüber nachzudenken, wo ich mich verbessern könnte. Ganz klar ein wertvolles Ergebnis. Die Resultate geben mir interessante Ansätze und können mir tatsächlich helfen „persönliche Ziele zu erreichen“.
Die Analyse ist allerdings alles andere als „wertfrei“. Sicher, hinter den Zahlen steht eine emotionslose Maschine. Aber kaum ein Mensch wäre in der Lage die Ergebnisse „wertfrei“ zu interpretieren.

Obwohl sich beide Bücher hinsichtlich des tatsächlichen Erfolgs stark unterscheiden, ist das Scoring praktisch gleich (-schlecht). Der Erfolg eines Buches kann hier definitiv nicht ermittelt werden. Aus meiner Sicht sind die Erfolgsfaktoren eines Buches wesentlich vielfältiger als das, was hier geprüft wird.

Würde ich diesen Service erneut nutzen?
Vermutlich nicht, ob ein einzelnes Buch erfolgreich sein wird, läßt sich damit nicht ermitteln. Und bereits zwei Analysen haben mir hinreichende Hinweise über eventuelle Schwächen meines Schreibstils offenbart. Ein ganz großes Problem ist für mich die Preisgestaltung. Eine Zahlung bedeutet eine Analyse. Will man eine überarbeitete Version testen, muss man erneut zahlen. Hier wird ein ganz entscheidender Bedarf von Autoren nicht berücksichtigt. Sinnvoll wäre es X mal eine erneute Prüfung des Textes zuzulassen (Stärkung der Kundenbindung). Dazu müsste eine automatische Prüfung eingeführt werden, ob der neue Text zu einem Mindestmaß der Originalversion entspricht, um Missbrauch zu vermeiden.

Mir drängt sich eine These auf: Wenn Verlage diese Software tatsächlich nutzen, um Bücher vorauszuwählen, dann würde damit ein bestehender Durchschnitt zementiert werden, da Abweichungen erst gar nicht mehr zur Veröffentlichung kommen.

Mittwoch, 1. Mai 2019

Wie wird man Bestsellerautor?

Ich traue es mich fast nicht zu schreiben, aber ich bin ein Bestsellerautor.


Zumindest war ich es für einige Stunden am Nachmittag des 7. Dezembers 2016 in der Kategorie:
Kindle-Shop > eBooks > Fantasy & Science Fiction > Science Fiction > Abenteuer


Selbstverständlich habe ich sofort einen Screenshot gemacht um diesen historischen Moment zu dokumentieren.


Aber was bedeutet das eigentlich?


Mein Buch (Am Ende der Zeiten – Der letzte Stern) lungerte damals irgendwo auf Platz 700 der Kindle-Verkaufcharts herum. Das bedeutete ca. 10-15 Verkäufe sowie einige Ausleihungen pro Tag. Für mich persönlich ein toller Erfolg, aber trotzdem weit von dem entfernt, was ich mir unter einem Bestseller vorstelle.


Der Trick ist einfach. Der Amazontitel "Bestseller" bezieht sich auf Buchkategorien. Jede noch so kleine Unterkategorie auf Amazon hat ihre eigenen Top 100 und somit seinen eigenen Bestseller. Amazon ermöglich es damit quasi jedem ein Bestsellerautor zu sein. Alles was man tun muss, ist eine Kategorie auszuwählen, in der kaum Bücher gekauft werden.


Also warum nicht mal ein Buch unter Film, Kunst und Kultur > Fahrzeugbildbände > Autos veröffentlichen? Schon ab einem Verkaufsrang von 20.000 bekommt man von Amazon das offizielle Label "Bestseller".

Es wird durchaus ernsthaft empfohlen, sein Buch in einer möglichst exotischen Unterkategorie zu registrieren, um ggf. von diesem Effekt zu profitieren.


Auf die Spitze getrieben hat dies Brent Underwood, nachzulesen in seinem Buch Putting my foot down. Mit dem Bild seines Fußes und 3$ wurde er innerhalb von 2 Stunden zum Bestsellerautor.


Ich habe mich früher manchmal gewundert, wo die ganzen unbekannten Leute herkommen, die in Foren von sich behaupten, Bestseller geschrieben zu haben. Heute weiss ich, es ist eine Illusion, mit der Amazon uns Autoren geschickt umschmeichelt und seine Kunden zum Kauf anregen will. Ein brillianter Marketingtrick, aber kein Titel den man sich ernsthaft vor den Namen setzen kann.